Inklusion geht nicht nebenbei, das machte Jürgen Dusel, der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen, in Kaiserslautern klar. Er hatte gemeinsam mit der Bundesarchitektenkammer, den Architektenkammern Rheinland-Pfalz und des Saarlandes zur sechsten Regionalkonferenz eingeladen. Als Kooperationspartner waren das Sozial- und das Finanzministerium Rheinland-Pfalz sowie der Landesbeauftrage für die Belange behinderter Menschen Rheinland-Pfalz, Matthias Rösch, mit dabei.

Beim Ziel einer inklusiven Alltagswelt, von der Menschen mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen genauso profitieren wie die breite Allgemeinheit, war man sich schnell einig. Doch die Barrieren stecken im Detail und in den Köpfen. Rösch benannte als Beispiel die Herausforderung, Blinden und Sehbehinderten den Planungsstand und damit die Teilnahme an der Diskussion in integrativen Bauprozessen zugänglich zu machen.

Dennoch war sich die Gesprächsrunde um Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler, Kammerpräsident Gerold Reker und die drei Beauftragten des Bundes, aus Rheinland-Pfalz und aus dem Saarland in ihrer positiven Grundhaltung einig. Aber dort, wo man an praktische Einschränkungen stoße, sei man auf den kooperativen Austausch und die Bereitschaft zum Dialog angewiesen. Regelungen seien insofern wichtig, könnten aber nicht jede Hürde ausräumen.

Auf die konsequente Anwendung des „Zwei-Sinne“-Prinzips machte Jürgen Dusel aufmerksam. Sein Credo: Inklusion ist keine Luxusveranstaltung für eine weitgehend saturierte Gesellschaft, sondern Voraussetzung für Demokratie. Alle müssten, so Dusel, eingebunden werden – nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern schlicht alle, unabhängig von Geschlecht, Nationalität, Bildungsgrad, Einkommen, Lebensalter oder Gesundheit.

Hierfür wurden professionelle Expertise und Qualitätsstandards gefordert. Barrierefreiheit sei nicht nebenbei zu bewerkstelligen und auch nicht aus der persönlichen Erfahrung Betroffener. Dazu brauche es profundes, systematisches Wissen. Die rheinland-pfälzische Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler griff dies auf: Eine Voraussetzung, neben der Bereitschaft der Bauherren, das Thema von Anfang an mitzudenken, sei eine hohe Expertise bei Architekten aller Fachrichtungen. Für die öffentlichen Bauherren sahen die Ministerin und der Landesbeauftragte positive Entwicklungen. Im Bereich der privaten Bauherren sei inklusives Bauen dagegen noch immer eher ein „add-on“ als pure Selbstverständlichkeit.

Zwischen den beiden Gesprächsrunden wurde es praktisch. Vorgestellt wurden der „Wohnpark 1“ in Landau und das „Justizzentrum“ in Bad Kreuznach. Hilfestellung für barrierefreies Planen und Bauen im Bestand und im Wohnungsneubau bieten auch zwei vom Finanzministerium herausgegebene Leitfäden, auch sie wurden vorgestellt.

Die Kunstpädagogin Dr. Hildegard Amel-Haffke aus Köln griff in ihrem Impulsvortrag die Themen Barrierefreiheit und Inklusion aus ästhetischer Sicht auf. Und auch der Abschluss des Abends weitete nochmals dem Blick vom Einzelbeispiel zum Grundsätzlichen und zur Digitalisierung. Dr. Jan Alexandersson zeigte einerseits auf, welche faszinierenden Möglichkeiten technische Innovationen und Künstliche Intelligenz bieten können. Gleichzeitig machte er klar, dass menschliches Miteinander nicht durch technoide Lösungen zu ersetzen sei. Wie viel und welche technische Unterstützung man in Anspruch nehme, müsse man selbst entscheiden können, dies sei eine Frage von Menschenrecht. „Künstliche Intelligenz ist wie ein Messer, man kann Brot oder Hälse damit abschneiden“, so Dr. Alexandersson und rief zu reflektiertem und sensiblem Umgang mit den neuen Möglichkeiten technischer Unterstützung auf. Alexandersson arbeitet am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz in Saarbrücken.

Einen ausführlichen Bericht zu der Regionalkonferenz in Kaiserslautern finden Sie unter folgendem Link: https://www.diearchitekten.org/main-menue/newsroom/detail/demokratie-braucht-inklusion/

Wir danken der Architektenkammer Rheinland-Pfalz für die Erlaubnis den Artikel auf unserer Website veröffentlichen zu dürfen. 

Text: Annette Müller - Architektenkammer Rheinland-Pfalz