Georg Breitner, Klaus Bouillon, Jutta Dick, Carmen Bachmann, Marc Groß, Hermann Josef Schmidt, Peter Schweitzer; Foto: Iris Maurer

Bei der diesjährigen Abschlussveranstaltung der Stiftung Baukultur Saar diskutierte Moderatorin Carmen Bachmann (SR) mit Teilnehmern im Podium über die baukulturelle und soziale Bedeutung von Schwimmbädern

Vorstandsmitglied Peter Schweitzer führte ins Thema ein. Er interpretierte ein Zitat von Max Frisch, Schriftsteller und Architekt. Demnach seien Schwimmbäder die demokratischsten Bauwerke. Denn laut Frisch sind die Besucher „halbnackt und bunt“. Die Unterschiede zwischen Menschen verschwimmen.

Schwimmbädern kommt eine hohe soziale Bedeutung in der Zivilgesellschaft zu. In einer lebhaften Diskussion hatte die Moderatorin Mühe, von dem frühen Fazit wegzuführen: Es gibt leider nicht genug Geld, um dieser hohen Bedeutung gerecht zu werden. „Bäder liegen im Zuständigkeitsbereich der Kommunen“, so Klaus Bouillon, Minister für Inneres, Bauen und Sport. Diese müssten zunächst ihre Pflichtaufgaben erfüllen. Der Investitionsbedarf läge bei 100 Millionen Euro. Positiv sei aber, dass es einer Studie zufolge genügend Schwimmbäder im Saarland gäbe und die Erreichbarkeit der einzelnen Bäder ausreichend sei.

Hermann Josef Schmidt, Bürgermeister von Tholey, berichtete von der kürzlich abgeschlossenen Sanierung des Bades in Tholey. Er bestätigte, dass auch hier zunächst das wirklich Notwendige getan werden musste, wie der Einbau einer neuen Technik, um die Anforderungen nach Hygiene und Sicherheit zu erfüllen. Für Ästhetik und Baukultur fehlte dann das Geld. Mit Farbe und Beleuchtung wurde versucht, dies zu kompensieren.

Auch das bedeutende Schwarzenbergbad, das sogenannte Toto-Bad, in der Landeshauptstadt kämpft mit einer veralteten Technik, unzureichenden sanitären Anlagen und einer bröckelnden Bausubstanz. Carmen Bachmann fragte Georg Breitner, den Leiter des Landesdenkmalamtes, ob ein Denkmalschutz das Bad aus den 50er-Jahren retten könne. Sonst bestehe womöglich die Gefahr, des Abrisses und dass an dessen Stelle Einfamilienhäuser errichtet werden. Dem widersprach Breitner. Es sei ein tolles Bad, aber der Denkmalschutz könnte in dem Fall eher „hinderlich sein“. Viel wichtiger sei es, das Bad in das öffentliche Bewusstsein zu bringen. Die Saarbrücker können „stolz auf das wertvolle Bad“ sein. Im Sinne der Baukultur gehe es vielmehr um eine Auseinandersetzung mit dem Bestand. Das können auch kleine Einzelmaßnahmen sein.

Die soziale Komponente der Bäderlandschaft unterstrich DLRG-Vorstand Marc Groß. Es gäbe lange Wartelisten auf Schwimmkurse, da die Bäder für das Ehrenamt immer weniger Platz bieten – entgegen der angesprochenen Statistik. Die Zahl der Ertrinkungstoten steige. Das liegt nach Jutta Dick vom Förderverein des Freibades Wallerfangen auch daran, dass mit der Klimaerwärmung die Bäder überfüllt sind. „Die Menschen schwimmen immer mehr in nicht beaufsichtigten Gewässern, in Teichen, Weihern, Flüssen.“ Zudem seien Schwimmbäder Frischluftschneisen und bieten begrünte Parkflächen. Beides trage zum Klimaschutz bei.

Eine Meldung aus dem Publikum bekräftigte die soziale Bedeutung: „Kinder aus sozialschwachen Familien verbringen ihre Sommerferien im Schwimmbad. Deswegen ist Gestaltung wichtig. Die Kinder merken, wenn sie sich nur das schäbige Bad leisten können.“ Eine gepflegte Anlage und eine ansprechende Gestaltung sind demnach enorm wichtig.

Text: Kim Ahrend